Info-Brief  Nr. 564


III. Versammlung des Volkes Xukuru

Widerstand, soziale Organisation und territoriale Kontrolle

Auf dem Hintergrund des jüngsten Anschlages auf das Leben des Kaziken Marcos, bei dem zwei Indios starben und der internen Unruhen, die antiindigene Gruppen aufgrund politisch-wirtschaftlicher Interessen innerhalb der Gemeinschaft verursachten, fand vom 17. bis 20. Mai 2003 die III. Jahresversammlung der Xukuru statt.

Teilgenommen haben über 300 Personen, Vertreter von 24 Aldeias. Diskutiert wurden Formen der sozialen Organisation, Pläne für die Zukunft, um den politischen Verfolgungen besser zu widerstehen sowie Formen der territorialen Kontrolle zur Verhinderung neuer Invasionen.

Am 19.05.2003 wurde an die Regierungen des Bundes und der Bundesstaaten das Schlussdokument der Versammlung übergeben. Darin fordern die Xukuru:

  1. Die sofortige Überprüfung und Entschädigung der in gutem Glauben handelnden Besetzer, die noch in unserem Gebiet sind;

  2. Indios der Gemeinschaft Xukuru wollen ausserhalb der sozialen Organisation unseres Volkes eine Aldeia errichten. Für sie soll die Bundesregierung ein Gebiet zur Verfügung stellen, wo sie in Würde leben können.

  3. Die Regierung von Pernambuco soll eine andere Strecke für die Straße PE-219 ausserhalb des Territoriums Xukuru wählen, damit unser Volk keinen Belästigungen durch fremden Personen ausgesetzt ist;

  4. Die Aufstellung von Kontrollstationen bei den wichtigsten Zugangsstellen in das indigene Gebiet, damit die Indios gemäss ihrer sozialen Organisation ihr Gebiet schützen können;

  5. Wirkungsvolle Massnahmen, so dass die Indios die physische Integrität ihrer Vertreter entsprechend ihrer Organisationsform garantieren und bewahren können;

"Wir zweifeln nicht an der Unschuld von Dandão und unseres Vize-Kaziken Zé de Santa und fordern daher ihre Freilassung sowie die Ausforschung und Bestrafung der tatsächlichen Mörder von Chico Quelé", fordern die Xukuru weiter in ihrem Dokument.

Für Kazike Marcos war die III. Versammlung sehr wichtig. "Wir haben unsere Erwartungen an die Justiz im Bundesstaat diskutiert, da unsere Verfassungsrechte nicht respektiert werden".

Agnaldo Xukuru, der Vertreter der Aldeia Pé de Serra, bezeichnete diese Versammlung besser als die anderen "sowohl was die Beteiligung als auch die Diskussionen anbelangt. Die Gemeinschaft hat sich wirklich mit der Ausarbeitung unseres Zukunftsprojektes befasst".



Zeremonie und öffentlicher Akt

Am 20.05.2003 kamen an die 8.000 Indios zur religiösen Zeremonie zum Gedenken an den fünften Todestag des Kaziken Xicão in die Aldeia Pedra D'Agua in Serra do Ororubá zum Grab. Danach begaben sich die Indios nach Pesqueira, wo Xicão ermordet wurde. In einem öffentlichen Akt bekundeten die Indios den Widerstand der Gemeinschaft angesichts der erlittenen Gewalt. "Wir sind hier, um Pesqueira und dem Bundesstaat Pernambuco zu zeigen, dass wir wie immer vereint und organisiert sind und wir diesen Einsatz niemals aufgeben", sagte Marcos über diesen symbolischen Akt. Die 46 Völker, die am I. Treffen der Völker für ethnische und territoriale Anerkennung in Olinda vom 15.-20.05.2003 teilnahmen, waren auch zur Zeremonie gekommen.



Mordverdacht

Während der Veranstaltung wurde der Tod des 17-jährigen Xukuru J.F.R. bekannt. Man fand ihn am 17.05.2003 im Kommissariat von Pesqueira tot auf. Die Polizei teilte der Familie mit, der Jugendliche habe Selbstmord begangen. Josefa Rodrigues, die Tante des Opfers, forderte in einem Brief an Kaziken Marcos Gerechtigkeit. "Mein Neffe wurde verhaftet und kam im Gefängnis grausam zu Tode", schrieb sie.

Der Fraktionsführer der PT in der Legislativen Versammlung von Pernambuco, Abgeordneter Esaltino Nascimento war am 23.05.2003 mit dem Staatsanwalt in Pesqueira und beantragte die Exhumierung der Leiche sowie ein Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft für Kinder und Jugendliche und des Rates für Vormundschaft, da es sich um einen Minderjährigen handelt. Der Abgeordnete der auch Mitglied der Kommission für Bürger- und Menschenrechte ist, fordert einen Sonderkommissar für die Untersuchung und die Befassung des Polizeipräsidenten mit dem Fall, um die Verantwortung der Polizei zu klären.


Raposa/Serra do Sol: "Der natürliche Weg ist die Homologation"

Diese Aussage machte Justizminister Márcio Tomaz Bastos am 20.05.2003 während der Audienz der Kommission von Amazonien in der Kammer der Abgeordneten. Die Homologation des Gebietes Raposa/Serra do Sol in Roraima sei irreversibel. Was "Übernatürliches" könnte geschehen, um die Homologation des indigenen Gebietes zu verhindern?

Die Antwort kam vom Chefminister des Zivilhauses, José Dirceu, der am 01.05.2003 bei einem Treffen mit der CNBB zu Präsident Luiz Inácio da Silva sagte, dass die Homologation von Raposa/Serra do Sol schwierig zu lösen sei, da es hier Siedlungen und Fazendas gibt, "die für das Gebiet einen schlimmen politischen Konflikt mit sich bringen".

Neunzehn Tage danach, versicherte Bastos in der Kommission, dass Lula die Homologation noch im ersten Halbjahr unterzeichnen werde. Die Entscheidung wird nach der Reise des Ministers nach Roraima im Juni bekannt gegeben.

Für den CIMI ist die Homologation von Raposa/Serra do Sol mehr als nur ein technischer Akt. Die Homologation ist eine Verfassungspflicht, die bedeutender als jedes andere Recht ist.

Brasília, 22. Mai 2003.
Indianermissionsrat - CIMI


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